Sieg für PKV-Wechsler – aber nur auf den ersten Blick

Az: 8 C 42.09 – hinter diesen vermeintlich wirren Zahlen steckt Brisanz. Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem Musterprozess eine Hürde für wechselwillige Privatpatienten aus dem Weg geräumt. Beklagt wurde die Allianz, die von (Bestands-)Kunden, die in einen billigeren Tarif wechseln wollten, nun keinen Zuschlag mehr verlangen darf.

Hintergrund der Klage sind stark steigende Preise für ältere Versicherte in einer privaten Krankenversicherung. Kunden suchen daher verstärkt den Wechsel in einen günstigeren Tarif des Anbieters, da eine Aufnahme bei der gesetzlichen Krankenkasse zumeist ausgeschlossen ist.

Um dies zu verhindern, baute die Allianz im Jahr 2007 eine Barriere auf: Der erhobene pauschale 20-prozentige Zuschlag für Wechsler machte die Sparbemühungen der Versicherten weitgehend zunichte. Begründung des DAX-Konzerns: das gestiegene Krankheitsrisiko des Kunden. Nachvollziehbar insofern, weil der Versicherte älter ist, als er beim Eintritt in den alten Tarif war, und demnach das Risiko einer Erkrankung steigt. Die Richter urteilten hingegen, dass sich durch den Wechsel eines Tarifs innerhalb der Gesellschaften nichts ändere, sodass der festgestellte Gesundheitszustand beim Eintritt in die PKV des Anbieters ausschlaggebend sei und kein Zuschlag erhoben werden dürfe.

Jetzt mag die Allianz darauf reagieren und klein beigeben, so sieht es zumindest aus. Auch andere Gesellschaften dürften dieses Urteil mit Argusaugen verfolgen. Neutarife müssen womöglich neu kalkuliert werden, Lockangebote werden für alle riskanter. Es könnten ja Altkunden dorthin wechseln. Wer aber glaubt, nun wird es billiger – das denke ich nicht. Die Prämienkalkulation verlagert sich hin zu weniger Lockangeboten, aber das ist alles. Oder die prozentuale Steigerung Anfang 2011 wird halt etwas angehoben.

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