Laufzeitverlängerung der AKWs: höhere Gewinne, höhere Strompreise!

    Längere Laufzeiten der Atommeiler sollen Energie günstig halten – eine Farce?
    Die zementierte Monopolstellung der Stromriesen verhindert sinkende Preise.
    Die Brücke, die ins Zeitalter erneuerbarer Energien führen sollte, bröckelt und belastet Generationen.

Was bisher geschah:

11. Juni 2001: Rot-Grün beschließt den Atomausstieg. Das damalige Monopol-Quartett (E.ON, RWE, EnBW und die norddeutsche HWE) erklärt sich einverstanden und verpflichtet sich, seine Kernkraftwerke bis 2022 Schritt für Schritt abzuschalten.

2000 bis 2010: Die Strompreise sind um rund 56 Prozent gestiegen.

27. September 2009: Wahlsieg Schwarz-Gelb. Das Wahlversprechen: Der Ausstieg aus dem Ausstieg. Strom soll günstiger werden.

Sommer 2010: 17 Atommeiler sind in Betrieb und fahren täglich rund eine Million Euro Gewinn ein. Die Atomlobby versucht mit einem „energiepolitischen Appell“ in vielen deutschen Zeitungen der Bevölkerung den atomaren Mix schmackhaft zu machen. Von der einstigen Ausstiegsbereitschaft wollen die Energiekonzerne heute nichts mehr wissen. Ein Wortbruch? Die RWE sagt nein – es herrschen „massiv veränderte Rahmenbedingungen“, so der Energieversorger aus Essen.

6. September 2010: Schwarz-Gelb lässt Atomfreunde strahlen. Die Spitzen von Union und FDP verständigen sich auf eine Laufzeitverlängerung für ältere Atommeiler um 8 Jahre und um 14 Jahre für jüngere Kernkraftwerke. Merkel feiert den Kompromiss als „Revolution“ – oppositionsgeführte Bundesländer drohen mit Verfassungsklage.

…und wie geht’s jetzt weiter?

Der Strompreis wird an der Börse gemacht
Eigentlich ist die Stromherstellung mit Atomkraft denkbar günstig. Aus dem Kernreaktor des Meilers Biblis kostet die Kilowattstunde im Schnitt zwei Cent. Doch das kommt beim Kunden nicht an. Warum?

Der Verbrauchspreis kommt nicht etwa vom Kraftwerk – er wird an der Börse gemacht, wo er durch Handel und Spekulation teurer wird. Und zwar mit oder ohne Atom: Ob ein Meiler aktiv ist oder nicht, spielt für die Höhe der Stromrechnung kaum eine Rolle. 2007 stand einmal knapp die Hälfte der deutschen Kernkraftwerke aufgrund von Sicherheits- und Wartungsarbeiten still – von Auswirkungen auf dem Strommarkt keine Spur. Die Laufzeitverlängerung führt also zu höheren Gewinnen der Konzerne, jedoch nicht zwangsläufig zu niedrigeren Strompreisen.

Zement für den Wettbewerb
Zwar ist der deutsche Energiemarkt seit 1998 liberalisiert, von Wettbewerb kann allerdings keine Rede sein – rund 80 Prozent des deutschen Stroms kommt von den vier Energieriesen. Potentielle Anbieter erneuerbarer Energien brauchen jetzt einen langen Atem: Mit der weiter gefestigten Quasi-Monopolstellung werden die letzten Meiler von E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall erst 2040 oder später abgeschaltet. Kommunale Energieversorger, die schon seit Jahren in regenerative Energien investieren, fürchten Milliardenverluste und sehen bis zu 100.000 Arbeitsplätze gefährdet.

Kürzere Laufzeit für spätere Generationen
Laut Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz führt eine Laufzeitverlängerung von im Schnitt zwölf Jahren voraussichtlich zu weiteren 4400 Tonnen Atommülls. Greenpeace rechnet sogar mit 6000 Tonnen. Die Stromriesen hingegen zucken nicht mit der Wimper – nein, es herrscht ausgelassene Stimmung mit Beifall für die „Einigung“. RWE-Chef Jürgen Großmann spricht von einem „starken Pfeiler der Brücke, die ins Zeitalter der erneuerbaren Energien führt“. Fragt sich, ob es mit dieser Rolle rückwärts für spätere Generationen noch etwas zu erneuern gibt. Doch das ist Zukunftsmusik. In Wahrheit geht’s wie immer ums Geld. RWE-Chef Johannes Lambertz verkündete schon jetzt, dass trotz Mehreinnahmen von geschätzten 127 Milliarden Euro keine Hoffnung auf sinkende Strompreise besteht. Laut dem Freiburger Öko-Institut dürfen die Konsumenten weiter mit konstant steigenden Preisen rechnen. Noch mehr Geld also für die Großen, steigende Preise für die Verbraucher von heute und weiterer hochgefährlicher Nuklearschrott für die Verbraucher von morgen. Wahrlich eine Revolution.

Trotzdem: Stromtarife vergleichen lohnt immer!

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1 Kommentar/Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Guido / Reply ¬

    Man hat ja doch immer wieder gehofft, dass die Preise für Strom sinken würden, aber auch für das kommende Jahr wurden Preiserhöhungen mitgeteilt. Als Verbraucher fragt man sich schon, wieweit das Ganze denn noch gehen soll. Die hohen Kosten kann auf Dauer doch niemand mehr bezahlen.

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