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Die Ängste der Deutschen 2010

Von Bastian Fersch | 24.September 2010

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Langzeitstudie der R+V Versicherung zeigt die größten Ängste der Deutschen: Wirtschaftliche Sorgen und Umweltängste an der Spitze – Vertrauen in Politiker sinkt weiter – Angst vor Arbeitslosigkeit in Deutschland als einzige zurückgegangen – steigende Furcht vor Krankheit und Pflegebedürftigkeit

Jedes Jahr aufs Neue befragt das Infocenter der R+V Versicherung rund 2.500 Menschen ab 14 Jahren nach ihren persönlichen Sorgen und Ängsten. Am 9. September in Berlin veröffentlicht, feiert die repräsentative Langzeitstudie mit dem Jahr 2010 nun ihr 20. Jubiläum und offenbart zugleich einen anschaulichen Rückblick über die beiden vergangenen Jahrzehnte. Dabei ist klar erkennbar: Die Wirtschaftskrise hat Spuren hinterlassen – ebenso die jüngsten Umweltkatastrophen, die leeren Sozialkassen und das Gezanke der Politiker über diese Themen. “Ereignisse wie der Terroranschlag auf das World Trade Center, die Euro-Einführung und die Finanzkrise haben die Sorgen nachhaltig nach oben getrieben. Auch die Einschnitte in die staatlichen Sozialsysteme zeigten gravierende Wirkung”, so Rita Jakli, Leiterin des Infocenters der R+V Versicherung. Im Vergleich zum Vorjahr ist das durchschnittliche Angstniveau um sechs Punkte gestiegen und erreicht mit 50 Prozent nun den zweithöchsten Wert seit Beginn der Studie im Jahre 1991. Nur 2003 und 2005 waren die Deutschen mit durchschnittlich einem Prozentpunkt mehr noch etwas ängstlicher.

Die Erforschung der Ängste zahlt sich für Versicherer wie die R+V natürlich schnell aus. Zielgruppen werden akzentuierter ins Visier genommen und das Schnüren und der Verkauf maßgeschneiderter Produkte wird ermöglicht. Transparenter ist es da schon, seinen Versicherungs- und Vorsorge-Bedarf selbst zu ermitteln. Das können Sie ganz leicht mit dem Lebensphasen-Rechner von FinanceScout24.

Die drei Top-Ängste

Auf den Spitzenplätzen bleiben nach wie vor wirtschaftliche Sorgen: Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger fürchten sich vor steigenden Lebenshaltungskosten und einem weiteren Wirtschaftsabschwung. “Alarmierende Nachrichten über Finanzmarktkrisen, Währungskrisen und Rettungsschirme für überschuldete EU-Staaten erschüttern das Sicherheitsbedürfnis der Bürger”, erklärt Professor Dr. Manfred Schmidt, Politologe an der Universität Heidelberg. “Stabile Preise und eine stabile Währung sind für die Deutschen der Inbegriff von Sicherheit. Jede Bedrohung dieser Werte schürt große Angst.”

Mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, dem Vulkanausbruch in Island, sowie den zahlreichen Überschwemmungen und Erdbeben der vergangenen Monate eher wenig überraschend: die neue Rekord-Platzierung von Umweltängsten. Der Großteil der Deutschen befürchtet, dass die Zahl der Naturkatastrophen noch weiter zunehmen wird. Mit 64 Prozent liegt der Wert im Jahr 2010 höher als je zuvor und belegt damit Platz drei der größten Ängste.

Schlechte Noten für Platz vier

Heftige Kontroversen zwischen und innerhalb parteipolitischer Lager sorgten 2010 für starke Verunsicherung bei den Bürgern: Mit einem Sprung um neun Prozentpunkten von Platz sechs auf Platz vier befürchten immer mehr Deutsche, dass die Bundestagsmitglieder mit ihren Aufgaben überfordert sind. Hinzu kommt eine ganze Serie Aufsehen erregender Rücktritte von führenden Politikern – “viele Bürger empfinden dies als Flucht aus der Verantwortung”, sagt Politologe Schmidt. Das spiegelt sich auch in der Bewertung der Politiker mit Schulnoten wieder: 83 Prozent der Deutschen bewerten die Arbeit der Volksvertreter mit den Noten vier, fünf und sechs.

Alte Ängste auf vorderen Plätzen

Das inflationäre Gesundheits- und Rentensystem macht’s möglich: Die Grenzen der Medizin schwinden zwar – parallel zur wachsenden Zahl älterer Menschen steigt aber die Angst, schwer krank oder im Alter zum Pflegefall zu werden. Seit Beginn der Untersuchung machen diese beiden Sorgen auf den ersten sieben Plätzen zwei Kreuze – und erreichen mit einem Anstieg um acht beziehungsweise sieben Prozentpunkte den zweithöchsten Stand seit Beginn der der Studie. “Die monatelangen Debatten um die Gesundheitsreform haben Spuren hinterlassen”, sagte Rita Jakli. “Die Menschen wissen, dass sie für Gesundheitsleistungen künftig immer tiefer in die Tasche greifen müssen und dennoch weniger Leistungen bekommen.” Dementsprechend gewachsen ist auch die Angst, dass der eigene Lebensstandard im Alter drastisch sinken wird: Diese Sorge findet sich mit 47 Prozent auf Platz zehn wieder – gefolgt von Bedenken, die eigenen Kinder könnten Opfer von Alkohol- und Drogenexzessen werden.

Wachsende Angst vor externen Bedrohungen

Verletzte und gefallene deutsche Soldaten in Afghanistan: Die Angst vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung landet auf Platz 13 und erreicht mit 42 Prozent den höchsten Stand seit sieben Jahren – elf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Im Vergleich dazu weniger gestiegen aber insgesamt stärker präsent ist das bange Gefühl vor möglichen terroristischen Anschlägen: 53 Prozent der Deutschen haben Angst, Opfer eines Attentats zu werden.

Einziger Rückgang: Arbeitslosigkeit

Insgesamt ist das Angstniveau in Deutschland deutlich gestiegen. Von 16 erfragten Ängsten kletterten 14 die Sorgenskala weiter hinauf. Einzig und allein das Thema Arbeitslosigkeit scheinen die Bundesbürger etwas entspannter zu sehen: Die Sorge um eine sinkende Beschäftigungslage in Deutschland ist dieses Jahr um vier Prozentpunkte gesunken und rutscht damit von Platz zwei auf Platz sechs – die Angst den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren bleibt im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Auffällig jedoch ist der markante Unterschied im Ost-West-Vergleich: Die Angst selbst arbeitslos zu werden liegt im Osten ganze 16 Prozentpunkte höher als im Westen.

Ein Glück, dass es noch Glück gibt! Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums stellte das Infocenter der R+V Versicherung eine spannende Bonusfrage: “Welches Ereignis hat Sie in den letzten 20 Jahren persönlich am glücklichsten gemacht?” Na, was glauben Sie? Richtig! Es sind die Kinder der Deutschen: Stolze 24 Prozent gaben an, dass die Geburt der eigenen Kinder oder Enkelkinder für sie der glücklichste Moment gewesen sei. Jeweils etwa sieben Prozent bezeichneten das Finden des Lebenspartners, ein glückliches Familienleben, sowie die Erziehung und die Hochzeit der eigenen Kinder als das größte persönliche Glück.

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