“Neuer” Kodex: Die Vertreterzunft hängt an die große Glocke was für Online-Vermittler längst Standard ist

Auf Platz 1 der unbeliebtesten Berufe hält sich wacker der Versicherungsvertreter. Die landläufige Meinung ist, dass er seine Kunden austrickst und ihnen etwas aufschwatzen will.

Nun will die Versicherungsbranche etwas gegen den schlechten Ruf ihrer Vertreter tun. Ein Kodex soll nun retten, was die Branche mit der Art ihrer Provisionsanreize selbst vermasselt hat: das bereits vor der Finanzkrise geschwundene Vertrauen der Kunden soll wieder hergestellt werden.

Zehn Klauseln sind im “Verhaltenskodex” enthalten, den der Branchenverband GDV am 18. November bei der Jahrestagung 2010 in Berlin im Wortlaut so verabschiedet hat:

  • Klare und verständliche Produkte
  • Beachtung des Kundeninteresses
  • Bedarfsgerechte Beratung
  • Ordnungsgemäße Dokumentation
  • Beratung auch nach Vertragsschluss
  • Wettbewerbskonforme Abwerbungen
  • Klare Legitimation gegenüber Kunden
  • Hochwertige Ausbildung
  • Zusatzvergütung im Kundeninteresse
  • Hinweis auf den Ombudsmann

Als kritischer Betrachter könnte man sich fragen, ob die meisten Punkte nicht ohnehin selbstverständlich sind – als Branchenkenner weiß man, dass ein Großteil ohnehin Gesetz ist.

Interessant ist der Zeitpunkt, zu dem der Kodex aufgebracht wurde. Jüngst hat Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner ein Auge auf die Assekuranzen geworfen. Sie will Provisionshaie stoppen und eklatanten Fehlberatungen den Garaus machen. Außerdem könnten die zehn Prinzipien ein Versuch sein, einer schärferen Regulierung durch den Staat entgegenzuwirken.

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) mit 40.000 Versicherungsvermittlern distanziert sich von dem Kodex und interpretiert ihn als “Schuldeingeständnis” des GDV für Probleme im Makler-Business.

Ein Beispiel sind die hohen Sonderboni, die momentan auf schwächere Versicherungsprodukte ausgelobt werden. Mancher Vertreter vergisst deshalb, dass in erster Linie der Kunde vom Vertragsabschluss profitieren sollte. „Besonders im Bereich der Lebens- und Krankenversicherung kann eine Abwerbung von Versicherungsverträgen oft mit erheblichen Nachteilen für den Kunden verbunden sein“ so ein GDV-Sprecher.

Seitens der Branche versucht man meines Erachtens die oft selbst geschaffenen Probleme des Provisionssystems mit betont bemühten Initiativen für Fairness und Kundenwohl zu kaschieren. Fleißig verschwiegen wird dabei, dass die hochgelobten Prinzipien des Kodexes längst im Versicherungsvertragsgesetz festgeschrieben sind. Vor allem bei Online-Vertragsabschlüssen sind beispielsweise „Beachtung des Kundeninteresses“, „bedarfsgerechte Beratung“ und „ordnungsgemäße Dokumentation“ gesetzlicher Standard.

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