Investments abseits der Norm

Geldanlage: Holz, Koi-Karpfen und Tee als Geldanlage

Geldanlage: Sind Investments in Tee, Holz und Koi-Karpfen reine Liebhaberei oder eine lukrative Geldanlage?

Zum Jahreswechsel unterziehen viele Privatanleger ihre Geldanlagen einer strengen Prüfung. Ist das Kapital rentabel angelegt? Bringt es langfristig die erhofften Gewinne? Stellen andere, eventuell alternative Anlageformen höhere Renditen in Aussicht? An Wein, grüne Aktien und Kunst hat man sich mittlerweile gewöhnt. Hingegen werden Investments in Tee, Holz und Koi-Karpfen meist als Liebhaberei abgetan. Zu Unrecht?

Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Klimaschutz nehmen Einzug in das Denken und Handeln der Bevölkerung – auch im Bereich der Geldanlage. Finanzdienstleister antworten auf das wachsende Streben nach Nachhaltigkeit mit einer Kombination aus Umweltschutz und Renditeaussicht. In den Produktportfolios der Anbieter findet man nun immer öfter alternative Investments, die ein „grünes Gewissen“ und zudem hohe Renditen versprechen.

Umweltfreundlich: Waldinvestments

Stark im Kommen ist die Kapitalanlage Forstwirtschaft. Im Jahr 2009 legten Anleger 131,7 Millionen Euro in geschlossenen Fonds sogenannter Wald- und Holzfonds an. Tendenz steigend. Doch die Geldanlage hat Vor- und Nachteile. Positiv ist, dass Anleger neben reinen Renditeabsichten auch ethisch-ökologische Aspekte mit ihrer Geldanlage verbinden können, weil sie damit zum Beispiel in ein Umweltprojekt investieren. Sie beteiligen sich mit einer festen Mindestsumme für eine bestimmte Laufzeit an einem geschlossenen Fonds. In Abhängigkeit von Konzept und Erfolg erhalten sie jährliche Ausschüttungen aus dem Verkauf des Holzes. Am Ende der Fondslaufzeit werden die Waldflächen verkauft, deren Erlös mehr einbringen soll als der ursprüngliche Kaufpreis der Setzlinge. Der Gewinn ergibt sich dabei aus dem Zustand des Waldes, dem Erlös des verkauften Holzes und der Wertsteigerung des Bodens. Glaubt man einer Studie des Zentrums für Holzwirtschaft der Universität Hamburg, wird die Holznachfrage bis 2030 allein in den 27 EU-Mitglied-Staaten von heute 805 Millionen Kubikmeter auf 1,35 Milliarden steigen – außerdem investieren Energieversorger verstärkt in den Bau von Biomasse-Kraftwerken und werden künftig einen hohen Bedarf an Holz haben. Demnach macht eine Anlage in Waldfonds Sinn. Außerdem spricht die Unabhängigkeit der Börse und den Kapitalmärkten für die grüne Geldanlage, da sie auch in Krisenzeiten fest verwurzelt ist.

Verkennen sollte man ihre Risiken allerdings nicht: Brechen Stürme oder Waldbrände über den Waldbestand herein und verwüsten ihn oder befallen Schädlinge die Plantage, droht den Investoren im schlimmsten Fall den Totalverlust ihres eingesetzten Kapitals.

Gar nicht so exotisch: Koi-Karpfen

Etwas mehr um Liebhaberei handelt es sich bei einer Geldanlage, der man beim Schwimmen zusehen kann: dem Koi-Karpfen! Doch wer dieses Investment als verspielte Schwärmerei abtut, verkennt seine Chancen, denn Koi-Karpfen können riesige Wertzuwächse erzielen. Kostet ein Jungfisch gerade einmal wenige Hundert Euro, kann ein ausgewachsenes Exemplar leicht mehrere Tausend Euro einbringen. Vorausgesetzt, der Anleger hat einen “Tategoi” erkannt – so werden Jungtiere mit hohem Potenzial genannt. Denn nur, wenn Farbgebung, Harmonie der Körperform, Qualität der Haut und Temperament übereinstimmen, sind Sammler bereit, hohe Prämien zu zahlen. Mit dem Sprung in den Karpfenteich sind allerdings einige Umstände verbunden: Wer Kois halten will, muss hohe Kosten in Kauf nehmen. Denn er benötigt einen Teich mit mindestens 20.000 Litern Fassungsvermögen. Laut einer Faustformel kostet im Einsteigerbereich jeder Liter etwa einen Euro im Bau. Dazu kommen laufende Kosten für Futter, Strom und natürlich den Fischbesatz. Aus rein wirtschaftlicher Sicht gibt es natürlich bessere Geldanlagen als die schillernden Fische. Besonders solche, die nicht durch Krankheit und Tod den Totalausfall des eingesetzten Kapitals bedeuten.

Ungewöhnlich: Tee

Tee wird wie Wein mit dem Alter wertvoller, da chemische Prozesse dafür sorgen, dass er im Laufe der Zeit weicher und süßer wird. Deshalb wird er mittlerweile auch als Wertbewahrer verwendet. Allerdings eignet sich nicht jede Sorte als Investment. Nur die Sorte Pu Erh verspricht wirkliche Wertsteigerungen. Ein sogenannter Fladen, in den der Tee nach der Ernte gepresst wird, umfasst 100 bis 350 Gramm. Edle, gut gelagerte Sorten können bei Auktionen Preise bis zu 10.000 Euro je Fladen erzielen. Allerdings muss es sich dabei um echten Pu-Erh-Tee von alten Bäumen aus der chinesischen Provinz Yunnan handeln. Er kann bis zu 50 Jahre reifen.

Zigarren, Whiskey, Waffen

Für alle, die etwas Spielgeld zur Verfügung haben und nicht in erster Linie auf Rendite aus sind, gibt es weitere kuriose Kapitalanlagen. Manchem Sammler geht dabei unter Garantie das Herz und der Geldbeutel auf. Zum Beispiel Zigarren. Besonders begehrt sind “Vintage Cigars” aus der Zeit vor der kubanischen Revolution, aber auch Rauchwaren aus der Castro-Ära. Doch auch das „Gold Schottlands“ hat bei Kennern hohen Wert: So haben Spitzenwhiskys bereits bis zu 30 000 Euro bei Auktionen erzielt. Für Anleger, die ein Faible für scharfe Klingen haben, eignet sich ein Investment in blau schimmernden Damast-Stahl, filigrane Messingbeschläge und aufwändige Elfenbeinschnitzereien. Denn kostete beispielsweise ein ungarischer Husarensäbel aus dem 17. Jahrhundert vor knapp 20 Jahren noch rund 1 000 Euro, brachte dieselbe Waffe bei der Septemberauktion des Wiener Auktionshauses Dorotheum rund 10.625 Euro ein. Die durchschnittliche Rendite pro Jahr beläuft sich nach Expertenmeinung auf rund zwölf Prozent.

Wenn man die Historie der Geldanlage betrachtet, sind spektakuläre Investments die von einer breiten Masse getragen werden gar nicht so selten. Ich meine nicht die Dot.com Blase… Man denke vielmehr an die wahnwitzigen Spekulationen auf Tulpen, die 1637 einen lautstarken Börsenkrach auslösten. Ob das mit Waldinvestments, Fische, Tee oder Zigarren auch so kommen wird, bleibt abzuwarten. Doch egal wofür das Anlegerherz schlägt: Die Finanzbranche wird auch in Zukunft für jede noch so geringe Aussicht auf hohe Zinsen und Renditen eine Antwort finden.

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