Lebensversicherungen – einst attraktive Kapitalanlage, jetzt Ladenhüter der Branche

Lebensversicherungen waren einst eine beliebte Kapitalanlage bei deutschen Sparern. Ihren guten Ruf haben sie – vor allem im Laufe der letzten zehn Jahre – mehr und mehr verloren. Das dürfte sich in absehbarer Zeit angesichts sinkender Renditen kaum ändern.

Jüngst kündigten mehr als die Hälfte der Lebensversicherer sinkende Überschussbeteiligungen an. Für 2011 werden den Versicherten 0,4 Prozent weniger und damit durchschnittlich nur noch 4,08 Prozent gutgeschrieben. Also würde das nicht genügen, droht dem Garantiezins erneut eine Kürzung. Das Bundesfinanzministerium möchte ihn von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent senken.

Aufgrund der Kombination aus verminderter laufender Verzinsung und garantiertem Zinssatz müssen sich Kunden darauf einstellen, am Ende der Vertragslaufzeit ihrer Kapitallebens- oder privaten Rentenversicherung weitaus weniger zu bekommen als die Gesellschaften bei Vertragsabschluss in Aussicht gestellt haben. Denn die Senkung der Überschussbeteiligung, die der laufenden Verzinsung entspricht, bewirkt unmittelbar geringere Auszahlungen der Rentenzahlungen.

Daher verwundert es nicht, dass sich Sparer mehr und mehr von der Lebensversicherung als renditeträchtige Kapitalanlage abwenden. Doch die Ursachen schwindender Beliebtheit sind weitreichender: Konkurrierten die fondsgebundenen Varianten – deren Erfolg aus den hohen Aktienquoten im Fonds-Mix resultierte – aufgrund ihrer hohen Renditen einst mit den Anlageformen der Banken, führten Finanz- und Wirtschaftskrisen und wiederholte Börsenzusammenbrüche zur Umstellung der Anlagestrategie der Lebensversicherer weg von risikoreichen, aber bisweilen gewinnträchtigen Aktienanlagen hin zu sichereren, aber renditeschwächeren Finanzprodukten, wie beispielsweise Bundesanleihen. Außerdem haben die Gesellschaften seit geraumer Zeit mit mageren Zinsen am Kapitalmarkt sowie verschärften Eigenkapitalvorschriften zu kämpfen. Auch politische Veränderungen, wie beispielsweise 2005 die Einführung der Besteuerung der Erträge aus Lebensversicherungen, steigerten die Attraktivität der Lebensversicherung nicht unbedingt.

Wirkliche Besserung ist laut Experten nicht abzusehen. “Spätestens im nächsten Jahr wird die Vier vor dem Komma nicht mehr zu halten sein”, so Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchendienstes map-Report. Hinsichtlich des Zinsniveaus am Kapitalmarkt sind kaum positive Entwicklungen zu erwarten. Aufgrund der Probleme einiger Euro-Staaten wird die sie laut Expertenmeinung niedrig halten. Das geht unvermeidlich auf Kosten der Vorsorgesparer.

Zu Beginn des Jahrtausends waren Lebensversicherungsprodukte für Anleger noch erste Wahl zur Vermögensbildung, jetzt sind sie nur noch für die Risikoabsicherung und die Altersvorsorge zu gebrauchen.

Wer in den kommenden Wochen Post von seiner Versicherung bekommt, sollte sich von den hervorgestellten Qualitäts- und Renditebotschaften also nicht täuschen lassen. Floskeln wie “auf hohem Niveau”, “Topverzinsung” oder “weit über dem Kapitalmarkt” sagen nichts über die tatsächliche Lage der Lebensversicherer und vor allem wenig über die Zukunft ihrer Produkte aus. Denn nur Verträge, die in der nächsten Zeit auslaufen, sind noch wirklich profitabel.

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