« | Home | »

Wer ist unseres Glückes Schmied

Von FinanceScout24 | 5.Januar 2012

Teilen

Wer ist unseres Glückes Schmied?Natürlich macht Geld auch glücklich! Wer freut sich nicht, wenn die Kontoauszüge ein dickes Plus aufweisen? Wenn wir mit einem gut gefüllten Portemonnaie zum Shoppen oder auf Reisen gehen? An Ideen mangelt es uns allen nicht, wenn es gilt, „geldwerte“ Träume in beglückende Tatsachen umzuwandeln. Doch warum ist dieser Glückszustand meist so schnell vorbei?

„Es ist wohl die am weitesten verbreitete Illusion zu glauben, man lebe in dauerndem Glück, wenn man reich ist“, so die Erkenntnis von Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman. Er stützt sich auf die messbare Tatsache, dass oberhalb eines bestimmten Einkommensniveaus das subjektiv erlebte Glück kaum mehr ansteigt. Wachsender Wohlstand erhöht also nicht zwangsläufig das emotionale Wohlergehen.

Dem Glück auf der Spur
Warum das so ist? Diesem Phänomen sind Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen auf der Spur. Und die „Glücksforschung“ wartet mit einigen interessanten Erkenntnissen auf:
Wissenschaftler Edgar Dahl weist darauf hin, dass jeder von uns mit einem persönlichen Glücksquotienten, einer Bandbreite seines subjektiven Wohlempfindens, ausgestattet ist. Fühlen wir uns sehr glücklich, beispielweise nach einem Lottogewinn, kehren wir doch nach einer gewissen Zeit wieder zu unserem ursprünglichen Soll-Wert zurück. Das gilt – glücklicherweise – auch im umgekehrten Fall, wenn uns nämlich Betrübliches widerfahren ist.

Reich, reicher, relativ
Außer durch unsere bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit wird unser Glückspegel aber auch noch durch eine weitere – allzu menschliche – Eigenschaft bestimmt: Wir vergleichen uns! Sind andere ärmer als wir, dann fühlen wir uns reich. Und das umgekehrte Gefühl – vergleichsweise arm zu sein – mögen wir gar nicht. Dahl schildert ein Experiment, bei dem Studenten an der Harvard-Universität zwischen zwei Modellen wählen konnten: Im ersten Szenario erhielten sie 50.000 Dollar Jahreseinkommen und gehörten innerhalb einer Gruppe damit zu den Reicheren. Das andere Mal erhielten sie 100.000 Dollar und waren damit ärmer als die weiteren Probanden. Die Mehrheit entschied sich für 50.000 Dollar! Und damit dagegen, bei doppelt so hohem Einkommen zu den Ärmeren zu zählen.

Glück sitzt in der Seele
Doch nicht nur relativer Wohlstand zahlt auf unser Wohlbefinden ein. Wahres Glück kommt „tatsächlich von innen, es ist keine Ware, die man sich kaufen kann“. So hat das schon Mahatma Gandhi formuliert. Auch Ethnologin Annegret Braun, die als Lehrbeauftragte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Glücksforschung betreibt, fand heraus, dass Glück eher mit innerer Erfüllung gleichzusetzen ist und vor allem „in der Seele liegt und nicht in einem Klumpen Gold“. So kann das Glitzern eines Tautropfens oder der Duft des Lavendels uns ebenso erfüllte Momente bescheren wie die Stille der Welt nach einem geschäftigen Alltag oder der fröhliche Abend mit Freunden. Doch das Glück ist eine Diva. Und ehe man sich versieht, wechselt es wieder seinen Aggregatzustand. Lag der schönste Augenblick eben noch in einem Sonnenuntergang, verbirgt es sich morgen schon im Kauf eines Paars Schuhe.

Und wie steigert man nun sein Glück? Damit man zumindest relativ etwas glücklicher wird? Aus den Erkenntnissen der Glücksforschung lässt sich einiges lernen:

Wie Sie viele kleine Momente des Glücks zaubern

  • Fakt ist, Glück lässt sich nicht erzwingen. Gerade die Menschen, die dem andauernden paradiesischen Glücksgefühl nachjagen, sind zum Scheitern verurteilt.
  • Geld macht glücklich – aber nur bis zu einer bestimmten Höhe. Noch mehr Geld macht dann nicht automatisch glücklicher. Armut hingegen führt dazu, dass Menschen sowohl unzufrieden als auch unglücklich sind. Nobelpreisträger Daniel Kahnemann kommt in seiner Studie zu dem Ergebnis: „Geld kauft Lebenszufriedenheit, aber kein Glück.”
  • Außerdem sollte man die vielen kleinen Freuden genießen. Sie sind es, welche die wahren Momente des Glücks bescheren.
  • Wer dann noch seinem Leben einen Sinn gibt, für andere da ist und zu viel Vergleich vermeidet, der ist schon auf einem „recht glücklichen“ Weg.

„Glück. The World Book of Happiness“

„Glück. The World Book of Happiness“

Leo Bormans, 25 Euro (Dumont Buchverlag)

 

Quellen:
Dahl, Edgar: Macht Geld glücklich?, in Spektrum der Wissenschaft, Mai 2008
Daniel Kahneman, Angus Deaton: High income improves evaluation of life but not emotional well-being, PNAS 2010

 

Themen: Auf geht's | Kein Kommentar »



Kommentare