Gender Pay Gap: Frauen verdienen immer noch weniger – selbst schuld?

Eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes hat es bestätigt: Der Gender Pay Gap, also die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen, besteht auch 2012 nahezu unverändert weiter. 23 Prozent verdienen weibliche Arbeitnehmer weniger als männliche. Doch wie kommt es zu der ungleichen Bezahlung? Steckt Diskriminierung dahinter oder sind die Frauen gar selbst schuld? Oder vermitteln vielleicht die Statistiken ein falsches Bild?

Tatsächlich sieht der Gender Pay Gap weniger düster aus, betrachtet man die bereinigte Gehaltslücke. Dann verdienen Frauen nämlich nur acht Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Gender Pay Gap, unbereinigt:
Beziffert den realen Einkommensunterschied und vergleicht den durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Männern und Frauen.

Gender Pay Gap, bereinigt:
Setzt den Einkommensunterschied ins Verhältnis zu Faktoren wie Ausbildung und Qualifikation, Branche, Pause durch Elternzeit etc.

Beide Zahlen gegenübergestellt deuten darauf hin, dass sich die Differenz zum größten Teil aus den strukturellen Faktoren ergibt, die bei dem unbereinigten Gender Pay Gap nicht berücksichtigt werden. Mit anderen Worten haben Frauen häufig das Nachsehen, weil sie in Berufen arbeiten, die eine geringere Qualifikation verlangen, in Branchen tätig sind, in denen der Verdienst generell niedriger ist, oder durch ihre Mutterschaft eine längere Pause in Kauf nehmen. Ähnlich sieht es auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber (BDA) und findet, von Diskriminierung könne nicht die Rede sein.

Der bereinigte Gender Pay Gap spricht allerdings dafür, dass auch vergleichbare Arbeit nicht gleich entlohnt wird. Doch auch hier hat die BDA eine Erklärung, die gegen eine Diskriminierung spricht. Ihr Argument: Anders als bei Männern sei das Gehalt für Frauen oft nicht oberste Priorität, ihr Verhandlungsziel sei häufig bereits erreicht, wenn ihnen soziale Leistungen wie flexible Arbeitszeiten zugestanden werden. Das mag auf manche Frauen zutreffen. Aber wie sieht es mit Bewerberinnen aus, denen es vor allem auf eine gute Bezahlung ankommt. Haben sie wirklich die gleichen Chancen wie ihre männlichen Konkurrenten? Nein, sagen Alice Eagly und Linda Carli. Die beiden Psychologinnen stellen im „Harvard Business Manager“ fest, dass Frauen, die hart verhandeln, als unfeminin wahrgenommen und entsprechend negativ bewertet werden würden. Männliches Dominanzverhalten sei dagegen akzeptiert und werde positiv ausgelegt. Lediglich in traditionell weiblichen – beispielsweise sozialen – Bereichen hätten Frauen ähnliche Karrierechancen wie Männer. Dies wäre auch eine weitere Erklärung, weshalb viele einen klassischen, aber schlechter vergüteten Berufsweg einschlagen.

Der Gender Pay Gap kann also nur überwunden werden, wenn alle Beteiligten dazu beitragen. Dazu gehört es zum einen, dass sich Männer wie auch Frauen von ihrem traditionellen Rollenbild lösen. Zum anderen kann die Politik unterstützend wirken, beispielsweise durch attraktive Kinderbetreuungsangebote. Ein Blick ins europäische Ausland macht dabei Mut: In Norwegen zum Beispiel beträgt bereits der unbereinigte Gender Gap nur 8,7 Prozent.

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