Etappenweise zum Ziel

Altersvorsorge - Doris KappesEin Beitrag von Doris Kappes, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg e.V.

Worauf sollten Frauen bei der Altersvorsorge besonders achten? Lesen Sie Empfehlungen der Finanzexpertin Doris Kappes von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Wie kürzlich eine Umfrage der Postbank ergab, machen sich junge Leute zurzeit kaum Gedanken über die Altersvorsorge. Verdruss kommt auf, wenn der Blick auf die Finanzmärkte fällt. Die Menschen sind verunsichert wenn es um das Thema „Geldanlage“ geht.

Dabei ist es gerade für Frauen besonders wichtig, rechtzeitig mit dem Sparen anzufangen, weil sie aufgrund von Kindererziehungszeiten nach wie vor in der Regel die geringeren Anwartschaften aus der Deutschen Rentenversicherung zu erwarten haben.

Dennoch sind die Grundsätze für die Geldanlage und worauf man beim Sparen für das Alter achten sollte, für Frauen und Männer weitgehend identisch. Gerne schreiben sich ja
sogenannte „Frauenfinanzdienstleisterinnen“ eine ganz besondere, auf die Bedürfnisse der Frauen zugeschnittene Beratung auf die Fahne, um dann letztlich auch nur die Produkte
(gerne fondsgebundene Rentenversicherungen) zu verkaufen, die am meisten Provision bringen und zudem noch höchst unflexibel sind.

Ein großer Fehler ist, dass sich die Verbraucherinnen häufig viel zu früh mit viel zu hohen Sparraten viel zu lange binden. Gerade Frauen, deren Erwerbsbiografie meist nicht so stringent ist und deren Einkommen größeren Schwankungen unterliegt, benötigen aber eine Geldanlage, die anpassungsfähig ist und bei der nicht der Löwenanteil der Kosten in den ersten Jahren des Sparvertrages bezahlt werden muss.

Aber leider ist es der Versicherungsbranche hier in Deutschland gelungen, uns zu suggerieren, dass „Altersvorsorge“ nur mit einem lang laufenden Versicherungsvertrag stattfindet. Und hier ist für Frauen (und Männer) der Verlust vorprogrammiert, denn drei von vier Kunden müssen den Vertrag während der langen Laufzeit kündigen – mit einer Minusrendite als Folge.

Gerade unsere Empfehlung, für das Alter in Etappen mit mittelfristigen Geldanlagen wie zum Beispiel Banksparplänen oder Bundesschatzbriefen zu sparen, eignet sich besonders gut für Frauen. Denn solche Sparformen sind sehr flexibel, falls mal geringere oder gar keine Beträge mehr gespart werden können.

Daher ist es, nach der Absicherung existenzieller Risiken (private Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung) zunächst wichtig, zu schauen, wie viel Geld denn monatlich tatsächlich zum Sparen übrig ist. Leider kommen immer wieder Verbraucher in die Beratung, die Schulden haben, aber trotzdem sparen. Das macht gar keinen Sinn, da man für geliehenes Geld mehr Zinsen zahlt, als man für angelegtes Geld bekommt. Was nützt mir eine garantierte Rendite in Höhe von 1,3 Prozent aus meiner privaten Rentenversicherung, wenn ich 7,5 Prozent für meinen Privatkredit zahle. Auch wenn es beruhigend ist zu wissen, dass man spart, sollten zunächst die Schulden getilgt werden. Danach ist es sinnvoll, ein „Polster“ von zwei bis drei Nettogehältern für unvorhergesehene Ausgaben anzusparen und erst dann ans Sparen für das Alter zu denken.

Je nachdem wie risikobereit man ist, kann über Banksparpläne hinaus zum Beispiel in Aktienfonds angelegt werden. Inzwischen gibt es auch die Möglichkeit, ab 25 Euro in einen Indexfonds zu investieren.

Letztlich sollten Frauen auch auf die Riesterrente achten, da hier, gerade bei nicht so hohem Einkommen und vielen Kindern, die Förderung im Einzelfall recht hoch ausfallen kann. Allerdings ist die staatlich geförderte Altersvorsorge nicht so flexibel, da man während der Laufzeit nicht ohne Sanktion über das Geld verfügen kann und im Rentenalter auch „nur“ eine monatliche Rente erhält, wobei 30 Prozent des Angesparten als erste Rate in der Rentenphase ausgezahlt werden kann. Wer „riestert“, sollte außerdem bedenken, dass je nachdem, ob eine Versicherung oder einen Banksparplan abgeschlossen wird, unterschiedliche Verwaltungskosten anfallen. Ein Vergleich lohnt sich!

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Bisher keine Bewertungen)

Loading...Loading...

Schreiben Sie einen Kommentar

* Pflichtfelder